Wie man aus Kunst und Kunstgeschichte gute Stories machen kann. Zufällig. Mit Glück und Spucke.

Am Beispiel des Bildes Äsop, das vom spanischen Maler Diego Velasquez um 1632 gemalt wurde, und mit der Arbeit von John Berger, seinen Erzählungen zur spanischen Malerei lässt sich aufzeigen, wie man mit Kunst und Literatur zu einer spannenden Geschichte, für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Technologie finden kann. John Berger ist Kunstkritiker und als Kunstexperte brachte er in seiner BBC -  Reihe "Ways of seeing" 1972 den Briten über das Fernsehen die Kunst näher.

Äsop, Von Diego Velasquez . Das Bild ist (um 1640 entstanden und es ist ein imaginiertes Portrait des Geschichtenerzähler Äsop, dass in fast in Lebensgröße zeigt
Äsop, Von Diego Velasquez . Das Bild ist (um 1640 entstanden und es ist ein imaginiertes Portrait des Geschichtenerzähler Äsop, dass in fast in Lebensgröße zeigt

Ways of seeing

Was uns John Berger über das Bild vom Geschichtenerzähler Äsop von Velasquez dazu erzählt.

" Er hat seine männliche Eitelkeit eingebüßt. In den Geschichten, die er erzählt ist er nicht der Held. Er ist der Zeuge, der zum Historiker geworden ist ..."                     (John Berger)

Die Erfolgsformel für gutes Storytelling

Bumms. Mit dieser nun folgenden Einleitung seines Buches über Velasquez und sein Bild Äsop bekam John Berger sofort meine ungeteilte Aufmerksamkeit: 

"Das Bild beeindruckte mich vom ersten Augenblick an. Es kam mir vor, als wäre es mir seit langem vertraut, so als hätte ich es bereits als Kind gesehen. Diese Erfahrung ermutigt mich jetzt, meine subjektiven Gedanken und Empfindungen darüber wieder zu geben- und einige Regeln der Kunstwissenschaft außer Acht zu lassen ."(John Berger)

Die Verbindung von Beschreiben was auf dem Bild ist, mit den "abschweifenden" Gedanken, die John Berger dazu hat, diese Melange von Bild betrachten und Bild beschreiben, das ist für mich ein Lehrbeispiel für das Erzählen., oder neudeutsch Storytelling, das als Königsweg zum Kunden im Internet angepriesen wird.

 

Das Sichtbare und das Verborgene

Der Anfang ist einfach. Er ist einfach und genial, weil er nur beschreibt, was passiert, wenn man der  fast lebensgroßen Figur des Äsop das erste Mal begegnet. Wenn man ihr in die Augen sieht. Und genau wie der Blick in die Augen eines Menschen erste einfache Erkenntnisse über sein Wesen ermöglicht, so einfach beschreibt John Berger uns, was er fühlte, als er das Bild zum ersten Mal sah. Er ergänzt dann, was ihm dazu spontan eingefallen ist, was ihn bewegt. Und er beschreibt, welche Folgen der Anblick des von Velasquez gemalten Äsop für ihn, den professionellen Betrachter von Kunst hatte: Er fühlt sich gezwungen, - für dieses Bild- nun einen Bruch mit den Regeln der Kunstwissenschaft machen zu müssen. Er muss die Erwartungen, die die Leser aus der Kunstwissenschaft an eine wissenschaftliche Beschreibung stellen, enttäuschen. Aber Berger begeht nicht nur den Regelbruch, sondern er teilt uns mit, dass er ihn begehen muss und er teilt uns mit, warum er ihn begehen muss. Hierin liegt für mich die Genialität. Denn Berger schafft damit Vertrauen, sogar ein doppeltes Vertrauen. Warum?                        

 Wir als Leser fühlen uns und unsere Erwartungen an ihn den Kunstkritiker verstanden und wir vertrauen ihm, weil er uns ins vertrauen zieht, er uns gesteht, das er uns und unsere Erwartungen an eine sachliche Kunstkritik enttäuschen muss. Durch dieses ins Vertrauen ziehen des Lesers, die Offenheit gegenüber uns, und durch das Preis geben seiner Empfindungen beim Anblick des Äsop, damit anzufangen, dem Gefühl Raum in seinem Beschreiben zu geben, aber auch Rücksicht auf die Erwartung des Lesers zu nehmen und eben dieser Rücksicht ebenfalls Raum auf dem Papier zu geben, dieser Anfang alleine könnte bereits so etwas wie eine Erfolgsformel für gutes Storytelling sein.  

 

Alles was auch ich gefühlt habe, als ich das Bild von Velasquez das erste Mal sah, es steckte in dieser Anfangsbeschreibung von Berger bereits drin. Damit hatte er mein Vertrauen. John Berger holte mich genau da ab, bei meinem Gefühl, bei meiner Unsicherheit. Einer Unsicherheit, die nicht alleine darin begründet ist, dass ich eben kein Kunsthistoriker bin, sondern weil meine Beschäftigung mit der Kunst von Velasquez und das Lesen von Kunstgeschichte oder Kunstkritik, normalerweise nicht im Lehrbuch des Marketing auftaucht, und Storytelling für die erfolgreiche Zielkundenfindung auf den ersten Blick wenig Sinn macht.  Wenn ich also hier über Kunst und Kunstkritik, über spanische Malerei und die Erzähltheorie eines Schriftstellers schreibe,  riskiere ich natürlich selbst etwas. Auch ich begehe damit einen Regelbruch. Ich enttäusche vielleicht damit jetzt schon die Erwartungen einiger Besucher meiner Website, die sich für Daten, Fakten, oder meine Leistungen interessieren, wenn ich jetzt ganz einfach weiter beschreibe, warum der Äsop von Velasquez mich mit gerissen hat, und was John Berger über ihn und seine Malerei schreibt, das mich zu dieser Zumutung an die Leser zwingt, und ich möglicherweise eine herbe  Enttäuschung riskiere,  wenn ich meine Begeisterung über Velasquez Bild und die Besprechung der spanischen Kunst durch John Berger und das was ich dann daraus machen musste veröffentliche. Seisdrum.  

Die bildende Kunst ist nämlich der Versuch  eines Erzählens von Geschichten und kommt meist ganz ohne Worte daher.Doch kein Bild erklärt sich uns von selbst. Es rührt uns, es ärget uns, es schrecktab oder man verleibt sich ein Bild ein, verliebt sich in es und will es haben, um es um sich zu haben und es täglich anschauen zu können. Tja. Doch sehen wir damit wirklich, was der Maler gerade sieht, was er vielleicht anders angeschaut hat? Berger lehrt uns, dass das Bild nicht alles zeigt, das das Bild gerne etwas verbirgt,  was dem Maler auch entgangen ist, was er vor sich selbst, den Betrachtern seiner Zeit, verbergen musste oder einfach wollte. Der Kunstbetrieb hat deshalb von Anfang an eine gute Nachbarschaft zur Kunstkritik und zur Kunstgeschichte gepflegt. Sie liefern uns manchmal das fehlende Stück, oder nur den Kontext, in dem das Bild zu sehen ist, oder den Bezug, baut uns eine Brücke vom Bild zu unserer Zeit. In seinen Essays " Das Sichtbare und das Verborgene bringt John Berger uns in Verbindung mit der Art von Malerei, indem er uns seine Geschichte dazu liefert. Seine Sprache bringt uns das Bild näher. Macht uns entweder unsere spontane Zuneigung oder die schroffe Ablehnung eines verstörenden Bildes klar.  

Äsop. Der Archetypus des skeptischen Geschichtenerzählers.

"Sein Blick lässt mich zögern. Er ist einschüchternd, hat eine gewisse Arroganz. Man hält inne um nachzudenken. Nein, er ist nicht arrogant.Er erträgt ganz einfach keine Narren. " (John Berger)

" Seine Augen sind merkwürdig. Denn sie sind malerisch weit weniger hervorgehoben als irgend etwas anderes im Bild. Fast hat man den Eindruck, daß alles übrige - außer den Augen gemalt ist, daß sie das Einzige  sind, was vom Untergrund der Leinwand übriggeblieben ist. " (John Berger)

"Aber alles im Bild - außer dem Folianten und der Hand die ihn hält- weist auf sie hin. Ihr Ausdruck ergibt sich aus der Haltung des Kopfes und den übrigen Gesichtszuegen : Mund, Nase, Augenbrauen. Die Augen tragen etwas vor - das heißt sie blicken, sie beobachten und es entgeht Ihnen wenig, aber sie reagieren nicht mit einem Urteil. Dieser Mann ist weder Schauspieler, noch Richter noch Satiriker.Man vergleiche diesen Äsop mit dem-  gleich großen, nach gleichem Kompositionsschema angelegten - Gemälde des Menippus von Velasquez ...

"Menippus, einer der frühen Kyniker und ein Satiriker obendrein, blickt auf die welt wie etwas  blickt auf die Welt wie auf etwas, das er hinter sich gelassen hat, und sie zu verlassen hat ihm ein gewisses Vergnügen bereitet. In seiner Haltung und seinem Ausdruck ist keine Spur von Äsops Mitgefühl." (John Berger)

Geschichtenerzähler.  Sekretäre des Todes.

"Indirekt teilen die Augen Äsops eine Menge über das Geschichtenerzählen mit. Ihr Ausdruck ist nachdenklich. Alles was er gesehen hat, vertieft seinen Sinn für die Rätsel des Lebens: Für diese Rätsel findet er Teilantworten - jede Geschichte ist eine Antwort , aber jede Antwort, jede Geschichte wirft eine andere Frage auf, und so kommt er nie zum Ziel und das hält seine Neugier wach.  Ohne Geheimnis, ohne Neugier und ohne die Form, die der Teilantwort aufgeprägt wird, gibt es keine Geschichten- nur Bekenntnisse, Communiques, Memoiren und Fragmente autobiografischer Mutmaßung, die zur Zeit als Romane gelten.Ich habe die Geschichtenerzähler einmal die "Sekretäre des Todes"  genannt. Und das, weil alle Geschichten  mit dem Ende beginnen. Walter Benjamin sagt: "Der Tod ist die Sanktion von allem, was der Erzähler berichten kann.Vom Tode hat er seine Autorität geliehen. Aber meine Formulierung war zu romantisch. Niemand hat weniger mit dem Tod zu tun als dieser Mann. Er beobachtet das Leben, wie das Leben vieleicht sich selbst beobachten könnte."(John Berger)

"Das Gewand bekleidet ihn und erinnert uns gleichzeitig an den nackten Körper darunter. Diese Wirkung wird durch seine linke Hand, die er unter dem Gewand auf dem Bauch hält noch verstärkt. Und sein Gesicht teilt etwas Ähnliches über sein Bewußtsein mit. Er betrachtet, beobachtet, belauscht und erkennt, was ihn umgibt, außerhalb seiner selbst ist, und zugleich wägt er im Inneren ab, ordnet er das, was er wahrgenommen hat, unablässig versucht er, einen Sinn jenseits der fünf Sinne zu finden, mit denen er geboren wurde."

"In diesem Porträt arbeiten zwei Arten von Skeptizismus zusammen; der von Velasquez, dem Maler, angesichts des Sichtbaren, und der des Modells, des Mannes, der vor der Aufgabe des Erzählens steht. Vielleicht ist es das, was dieses Bild zum einzigartigen archetypischen Porträt eines Geschichtenerzählers macht.

"Er steht da, als habe ihn jemand angerufen.Wer? Ein Gericht?Eine Räuberbande? Eine sterbende Frau? Reisende, die ihn um eine weitere Geschichte bitten? Wo sind wir? Einige meinen der hölzerne Bottich und das Leder weisen auf eine Gerberei hin.Die denken an Äsops Fabel von dem Mann, der nach und nach lernte, den Gestank beim Gerben der Häute nicht mehr zu riechen.Ich bin nicht ganz überzeugt davon. Vielleicht befinden wir uns in einem Wirtshaus; unter Reisenden auf der Straße. Seine Stiefel sind so abgetragen wie der durchgesessene Sattel eines Pferdes. Aber in diesem Moment ist er überraschend staubfrei und sauber. " (John Berger)

"So trägt er seine ganze Lebensgeschichte mit sich. Seine Männlichkeit hat wenig zu tun mit Meisterschaft oder Heroismus, aber viel mit Einfallsreichtum, List, einem gewissen Spott und der Weigerung einen Kompromiss einzugehen. Diese Weigerung hat nichts zu tun mit Eigensinn, sondern rührt daher, daß er genug gesehen hat, um zu wissen, daß man nichts zu verlieren hat. "(John Berger)

Das Traumland des Geschichtenerzählens

" Ich hatte einmal einen Traum. In dem Traumland war ein Dekret erlassen worden,das bindend war und von jedem befolgt wurde:Nach diesem Erlass mußte jedes Wort- ob ausgesprochen oder nur gedacht - sofort einlösen, was es bedeutete.Es war als wenn die Sprache und ihre Ökonomie zur Goldwährung zurückgekehrt wäre, so daß jede Münze oder Rechnung in den Gegenwert von Gold eingewechselt werden konnte.Wenn man Baum dachte, wurde Baum gegenwärtig Dachte man morgen, war der Morgen da.Es war nicht wie im ersten Kapitel der Genesis der Vorgang des Benennens und zugleich Erschaffens. Es ging darum, daß man sagte, was die Wörter bedeuteten. Die Wörter konnten nach dem neuen Erlaß nicht einfach freistehen.Sie waren die Träger ihrer Bedeutung. Und das bezog sich nicht nur auf Substantive sondern auch auf Verben. Adverbienusw. Wenn man graben sagte begann der Akt des Grabens.Wenn man das Adverb traurig hinzufügte, kam Traurigkeit auf und war so unverwechselbar wie Salz auf den Lippen. "(John Berger)

Die Macht des Wortes

" In diesem Traum liegt ein Schlüssel über die Macht des Wortes vergraben. Man blickt nicht durch Wörter hindurch auf eine Wirklichkeit- so wie durch eine saubere oder schmutzige Fensterscheibe. Wörter sind niemals durchsichtig. Sie erschaffen sich ihren eigenen Raum, den Raum der Erfahrung - nicht den des Seins. Klarheit hat wenig zu tun mit Stil als solchem.Ein üppiger Text kann klar, ein schlichter verschwommen sein. Klarheit ist meines Erachtens die Fähigkeit den Raum durch Wörter geschaffenen Raum zu ordnen.

Die Vieldeutigkeit in der Praxis des Erzählens

"Nehmen wir ein einfaches Beispiel für die Vieldeutigkeit des Erzählens. Ein Schiff verließ den Hafen. Ein Abenteuer oder ein Abschied?Vom Kai her ist die Stimmung passiv, am Heck des Schiffes ist sie aktiv.Die folgenden Wörter werden einige Zweideutigkeiten ausräumen und gleichzeitig andere, neue mit sich bringen.Er blickte zum Horizont. Ein Willensakt - eine gewohnheitsmäßige Handlung?             Die kreischenden Möwen erinnerten ihn an seinen Vater, der am Cape Wrath untergegangen war.Die beiden vorangegangenen Sätze sind nun durch einen dritten verwandelt worden. Jedem Ereignis, jedem Gegenstand muß Raum für seine Vieldeutigkeiten gelassen werden, und alles was darauf folgt, muß die Vieldeutigkeiten, die es tilgt, notwendig wieder bekräftigen, ja bestätigen. Der Tod des Vaters bestätigt die Abfahrt des Schiffes. Der Hinweis darauf, daß der Vater ein Matrose oder ein Fischer war, bestätigt, daß der Sohn zum Himmel blickt. Der Horizont bestätigt, daß das Schiff den Hafen verläßt. Zwischen den Ereignissen findet ein unausgesprochener Dialog statt. Das Problem einer Erzählung ist nicht, wie oft angenommen wird, die Worte zu finden, sondern Ereignisse auszuwählen und ihnen den richtigen Platz zu geben, ihren wortlosen Dialog zu zu lassen.Die vielfältigen Möglichkeiten, die es hier gibt, würden, wenn sie eine ganze Geschichte betreffen, den raffiniertesten Computer überfordern, denn er  könnte nie so programmiert werden."(John Berger)

Der Geschichtenerzähler, der durch seine Lebenserfahrung und das Sprachlose "programmiert" ist, findet den Platz für die Ereignisse intuitiv, selten durch Berechnung.

"Er wird gewissermaßen für seine Geschichte zum Instinkt der Selbsterhaltung - einem Instinkt, der darauf ausgerichtet ist, den Raum für die jeweiligen Vieldeutigkeiten endlos offenzuhalten.  In dem Augenblick, da seine Aufmerksamkeit durch seine Überlegungen zu Stil, Rhetorik oder verbalen Glanz abgelenkt wird, werden seine Worte, statt Wirklichkeit zu enthalten, diese lediglich beschwören.In dem Augenblick, da er nichts als Tatsachen wiederholt, statt sich der Erfahrung dieser Tatsachen vorzustellen wird seine Erzählung zum Dokument reduziert. In der Glaubwürdigkeit von Wörtern liegt eine sonderbare Dialektik: Die Offenheit des Geschichtenerzählers gegenüber der Vieldeutigkeit und Ungewißheit jeder Erfahrung- sein Skeptizismus- gibt seiner Darstellung Klarheit und vermittelt so eine Art Gewißheit. Er muss sich von Wörtern abkehren, so daß sie , von ihm verlassen, sich mit dem Gegenstand, dem erzählten Ereignis verbinden, dass nun beredt durch sie wird. Das Land in meinem Traum war das Land des Geschichtenerzählens, das Land Äsops. " (John Berger)

Wie kommt man aber zu einer guten Geschichte?

Storytelling als Königsweg um die Kunden persönlich zu erreichen, anstatt sie mit Werbung oder Produktinformationen zu langweilen, würde im Idealfall den richtigen Zeitpunkt zu kennen, wann ein Kunde "reif" für die Marketingbotschaft, für das Thema, die Geschichte ist, um sie ihm dann zu präsentieren. Die technische Entwicklung von solchen Vorhersageprogrammen und einer lernenden Software sind aber längst nicht so weit. Also bleibt auch weiterhin nichts anderes übrig, als mit den Mitteln der Aufmerksamkeitsgewinnung, zunächst die richtigen Themen, die zum Produkt passen auszuwählen. Dazu ist es vielleicht nicht ganz unnütz, sich in den Kopf des Kunden zu versetzen, ihn zu imitieren, seine Probleme und Befindlichkeiten zu erspüren,um heraus zu bekommen, wie er tickt, was ihn bewegt. Es ist notwendig sich ein Bild von ihm zu machen, um dann kreativ zu werden und sich vorzustellen, was ihn ansprechen kann. Vielleicht ist es deshalb nicht ganz unnütz, um gute Geschichten erzählen zu können, sich in die Rolle eines  so guten Geschichtenerzählers wie es Äsop mit seinen Tierfabeln war zu versetzen?

Wer stand dem Maler Modell für dieses historische Porträt eines Mannes, der vor zweitausend Jahren lebte?

"Meiner Meinung nach wäre es vorschnell, das Modell für einen Schriftsteller oder auch nur einen nahen Freund von Velasquez zu halten. Man nimmt an, Äsop sei ein freigelassener Sklave gewesen, vielleicht in Sardinien geboren. Das könnte man auch von dem Mann denken, der vor uns steht... Vielleicht war das Modell ein ehemaliger Gefangener, ein früherer Galeerensklave,den Velasquez, so wie don Quichotte, unterwegs getroffen hatte. Jedenfalls kannte er seine "verborgenen Wünsche und geheimen Praktiken." (John Berger)

Am Anfang war die unbändige Lust, einfach mal in die Rolle des Äsop zu schlüpfen, sich mit einfachen vorhandenen Kleidern -  genauer einem Frotteebademantel - sich in  Äsop als Modell von Velasquez einzufühlen, sich genau so hin zu stellen wie der Mann, der für Äsop den Geschichtenerzähler für den Maler Velasquez stundenlang Modell gestanden hat. Aber statt dem Geschichtenbuch trägt der moderne Äsop von heute natürlich einen PC, der ihn mit der größten Quelle für Geschichten, dem Internet verbindet ...

 Ich habe mich aber in meiner Begeisterung für das Bild des Äsop, gar nicht mit einer solchen Überlegung getragen, als ich einer Eingebung folgend, mich versucht habe in die Rolle des Modells für das Bild von Diego Velasquez einzufühlen.

Aus dem nachgestellten "Aesop" entstand dann die Idee für die ganze Geschichte, ohne das ich mehr als diese ersten Seiten im Buch gelesen hatte, es machte einfach Spaß, in diese Rolle des Aesop zu schlüpfen, ihn in die heutige Zeit und in meine Lebenswelt zu übersetzen und damit zu spielen. Ich habe spielend und mit Muße dann die Fotografie digital mit meinem Microsoft Programm Paint und den Bildtools dort bearbeitet.

In meinen Bildern des modernen Aesop habe ich das große Geschichtenbuch, dass Äsop in der Darstellung von Diego Velasquez mit sich trägt, aber durch einen Laptop ersetzt. 

Der Aesop von heute hat das Geschichtenbuch nur durch den Laptop ersetzt, aber nur selten findet er den Stoff für seine Geschichten  alleine im Internet vor. Es braucht noch immer diesen besonderen Moment, der mit der Neugier beginnt, aber nur mit der Aufhebung des Fremden, Neuen,  in etwas Vertrautes gibt es eine Fortsetzung in der Geschichte. Und darum braucht es für eine gute Geschichte die Suche nach Vertrautem, und dem man vertrauen kann, z.B. die Suche nach Sekundärliteratur, nach Geschichten und Bildern von anderen, um die Skepsis und die Neugier in Gelassenheit und Sicherheit zu verwandeln.

Der Zugang zu Informationen ist durch das Internet sehr einfach für alle geworden, aber die Geschichten, die uns berühren, die uns fesseln, die wir lesend verschlingen, oder die etwas mit uns machen, die entstehen nicht nur aus dem Stoff, den wir dort finden. Um gute Geschichten zu finden bedarf es mehr, oft ist es gerade das Gar-Nicht-Suchen, sondern das absichtslose Finden, das eine Geschichte hervorbringt. 

Der  gezeichnete Augenblick,

 

In einem  Onlinemagazin, das ich über die Suchmaschine Google fand, gibt es einen Artikel von Andreas Mertin, der bei seinem Artikel über die öffentliche Intimität des Todes aus einem Essay "Der gezeichnete Augenblick" von John Berger schöpft, in dem man eine Ahnung bekommen kann, wie John Berger zu seiner Erzähltheorie und seinem begeisternden Storytelling in seinen Büchern, seinen Essays und Interviews gefunden  haben könnte.

 

 

Textperlen, die in einem Onlinemagazin absichtslos gefunden werden können

Link zur Quelle: Andreas Mertin, Die öffentliche Intimität des Todes - Grenzüberschreitungen, in : 

Das Magazin für Kunst I Kultur I Teheologie I Aesthetik, Heft 53 Intimität

Das Sichtbare und das Verborgene

"Den spanischen Malern mit all ihrem meisterhaften Können lag daran zu zeigen, dass alles Sichtbare eine Illusion ist, nur nützlich als eine Erinnerung an die Schreckensherrschaft und die Hoffnung innerhalb des Unsichtbaren .... Velasquez war so ruhig wie Goya gejagt war. Auch gibt es keinerlei Anzeichen für religiöse Inbrunst oder Leidenschaft in Valesquez Werk. Seine Kunst ist die vorurteilsfreieste, die sich denken lässt- alles und jedes erhält, was ihm zukommt, und es gibt keine Hierarchie der Werte. vor seinen Gemälden werden wir nicht gewahr, wie dünn die Oberflächen sind, denn sein Pinselstrich ist zu verbindlich, um die Oberfläche vom Raum zu trennen. Seine Bilder erscheinen vor unseren Augen wie die Natur selbst- mühelos.Dennoch irritiert uns - bei aller Bewunderung etwas. Diese meisterhaften, selbstsicheren und taktvollen Bilder sind nur auf der Grundlage eines absoluten Skeptizismus zu begreifen. (John Berger)

"Velasquez Skeptizismus beruhte auf seinem Glauben an einen Dualismus, der so lautete: Gebt dem Sichtbaren, was gesehen wird, und Gott was Gottes ist. Darum konnte er mit solcher Sicherheit so skeptisch malen... Die spanische Malerei ist einzigartig in ihrer Treue wie in ihrem Skeptizismus gegenüber allem Sichtbaren" (John Berger)

Storytelling sollte daher versuchen, das Unsichtbare auf dem Bild durch einen Text sichtbar zu machen, Das Ganze Bild entsteht wenn es durch die Kunstgeschichte und die Kunstkritik in seiner in seiner Verbindung zur Zeit gesehen, aber auch in den Lauf der Zeit eingeordnet wird. Wir sollten in den modernen Geschichten möglichst uneitel nur das beschreiben, was unseren Beitrag glaubwürdig zur Geschichte, zum Alltag beitraegt  oder beigetragen hat, Erst mit diem Abstand des Zeichners und Malers und des Erzählers zu seinem Objekt wird sein Bild, die Geschichte persönlich und bedeutsam und damit  überzeugend.

Um gute Geschichten zu erzählen, sollten Marken und Unternehmen eben nicht alleine nur von sich, ihren Produkten, ihrer Leistung erzählen, sondern wie ein Historiker mit großer Skepsis etwas Abstand zu sich einhalten, um sich ein Bild zu machen, dass die Geschichte trägt. 

 

"Der Mann vor mir ist kein Fremder mehr. Ich beginne mich - unbescheiden- mit ihm zu identifizieren. Ist er der , der ich habe sein wollen? War das Tor, in dem er in meiner Kindheit erschien, ganz einfach die Zukunft, die ich mir wünschte? Wo genau ist er? Man hätte es von Velasquez erwarten dürfen! Ich glaube er steht vor einem Spiegel. Ich glaube, das ganze Bild ist - ein Spiegelbild. Aesop blickt sich selbst an. Sardonisch, denn in seiner Phantasie ist er bereits woanders. Im nächsten Augenblick wird er sich umdrehen und sich zu seinen Zuhörern gesellen; wird der Spiegel einen leeren Raum reflektieren, durch dessen Wände gelegentlich ein Lachen zu hören ist. "(John Berger)

Was hält uns also davon ab, uns wie ein Zeichner sowohl identifizierend als auch mit Abstand zum Objekt, zur Marke, uns erst ein skeptisches Bild zu machen, um daraus eine bedeutsame, persönliche gute Geschichte zu machen,weil wir sie aus der Sicherheit und aus der Gelassenheit heraus entwickeln und aufschreiben?

Eigentlich ist es doch so einfach. Wir können es doch. In einem Gespräch in einer geselligen Runde. Und wir freuen uns auch da und phantasieren und erzählen drauf los, freuen uns  über lachende Zuhörer, nehmen aber auch stets dabei spöttische Bemerkungen in Kauf oder blicken erst mal skeptisch in die Runde, bevor wir uns gelassen und sicher fühlen, um einer bildhaften Erzählung von anderen zu lauschen und dann eine eigene zu  beginnen.

Wie ich mit Hilfe der Kunst immer versuche meine Sprache zu erneuern...

Über meine Bilder die am Computer wie von selbst entstehen...

Dank der modernen Computertechnik lassen sich künstlerische Techniken, die ich auf dem Papier, auf Holz, oder mit der Enkaustik ausprobiert habe, durch abfotografieren mit der  Kamera und digitale Bearbeitung am Rechner weiter entwickeln.

Zeichnungen& Malerei.

ganz frühe Werke...

Im Rückspiegel 

Seit einem VHS Kurs "Zeichnen kann jeder"  (nach Betty Edwards) bei Anne Heldt in Wetzlar irgendwann um 1985 zeichne ich, was mir so begegnet. Besonders in der Zeit meines Studiums beim Taxi fahren half mir dies die Wartezeit auf Kunden zu überbrücken, indem ich u.a. Sebstbildnisse über den Rückspiegel im Auto machte.Ab 1994 entdeckte ich dann die Farben vor allem Farbreste im Keller und drücke das was ich da vor mir habe und interessant finde, oder was ich vor mir im inneren Auge sehe, farbig aus.

Material : Kugelschreiber auf Papier. (Bild datiert aus dem Jahr 1995)

funny oder " Grumpy" (Kohle auf Papier)

Was dann folgte, war das Festhalten von Beobachtungen, auf dem Weg zur Arbeit oder am Arbeitsplatz selbst.

Menschen im kalten Bahnhof (Kreide auf Papier) 1998

Zeichnung Kohle auf Papier mit Krawatte auf Kopierer . (1998) 

Frau mit Hut, aber nicht in Frankreich Kohle, Bleistift,  auf Papier (2009)

Blick auf Blume von oben herab.

 

Das Original( Acryl auf Papier) ist verkauft.

Fotografie

Mein ersten Fingerübungen im Sehen und dem Festhalten des Gesehen mit der Kamera machte ich dienstlich als Pressesprecher und aus diesem Beruf aus der Zeit, als man die Filme noch zum Entwickeln weg brachte, habe ich dann dann eine Passion gemacht. und Inzwischen bin ich mit der Digitalcamera von Canon unterwegs    

Computer Bilder

Mit der Funktion "Bildtools" bearbeitet liebe ich es dank Computertechnologie nun malen (Paint) und zeichnen zu können, ohne dass ich mich selbst und den Rest der Wohnung mit Bleistiftresten, Zeichenkohle oder  Farbe einsaue. 

"plastiniert"

Blumen die aussehen wie Haribo- Figuren

Plakat