SAP - Stipendium - Referenzen - Vernetzung - Resonanz - Empfehlungsschreiben

Begründung für SAP- Stipendium

Download
Stipendium von SAP für Ausbildung "Master Communication& Leadership" an der Quadriga Hochschule Berlin (2010)
Begründung für meine Zulassung zum berufsbgleitenden Master Studium " Communication& Leadership an der Quadriga Hochschule in Berlin, wo ich als einer der ersten Absolventen 2012 mein implizites aus der Berufserfahrung von 1998-2010 in der Wissenschaftskommunikation und der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ifür das Avd- Institut für Verkehrssoziologie und den Automobilclub von Deutschland (AvD) gewonnenen Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen für das Management und das Marketing von Kommunikationskonzepten und Studien selbst und und mit anderen Expertinnen und Experten reflektieren konnte.
Ref. SAP.pdf
Adobe Acrobat Dokument 141.6 KB
Von Amöbius für Alfred Fuhr
Von Amöbius für Alfred Fuhr

Amöbius alias Peter Rogge,  Werbepionier und "Nestor "Amöbius" hat meinen Antrieb, meine Arbeit mit und an technischen Innovationen und ihren Risikofeststellungen der automobilen Gesellschaft fest gehalten. Danke Peter.

REFERENZEN

Empfehlungsschreiben

"Alfred Fuhr verbindet die seltene Gabe, genau zuhören und sehr präzise beobachten zu können, mit einem profunden soziologischen Wissen und breitem persönlichem Erfahrungshintergrund und verknüpft dies in der Überschau vielfältiger Publikationen und gesellschaftlicher Zusammenhänge zu sehr praxisorientierten und dabei vielfach neuen Erkenntnissen und Problemlösungen. Die Stärke von  Alfred Fuhr .... Offenheit und Kritikfähigkeit, der die gestellte Aufgaben bei Erkenntnis neuer begleitender Zusammenhänge auch immer wieder neu von allen Seiten betrachtet und angeht und dabei gewonnene Informationen und Wendungen zu einem fundierten und zudem immer interessanten Ergebnis führt. ... dabei kommt auch Marketing seiner Ergebnisse nicht zu kurz, zudem erschließt Alfred Fuhr ständig neue Kundenkreise und Auftraggeber und er arbeitet vernetzt mit zahlreichen öffentlichen und nicht öffentlichen Gremien und Institutionen. " (Johannes Hübner, Autoconsult)

Download
Referenz Prof. Dr. Stefan Rammler, Transportation Design, Universität Braunschweig
Referenz Rammler.pdf
Adobe Acrobat Dokument 625.2 KB

Persönliche Referenzen  

Download
Bestätigung meiner Mitarbeit an der "Berliner Erklärung zum demografischen Wandel" der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren (BAGSO)
Referenz BAGSO.pdf
Adobe Acrobat Dokument 335.0 KB
Download
Bestätigung für meine Verkaufs- und Zielkundenfindungsskills durch Melanie Gieschen (Steinbeis Berlin)
Referenz Melanie Gieschen.pdf
Adobe Acrobat Dokument 26.1 KB
Download
Referenz für Projekt mit Corteco GmbH (Freudenberg Gruppe)
corteco.pdf
Adobe Acrobat Dokument 222.9 KB

Empfehlungsschreiben des Automobilclub von Deutschland (AvD)

Download
Alfred Fuhr knüpft Netze
Referenz Hübner short.pdf
Adobe Acrobat Dokument 17.6 KB
Download
10 Jahre beim AvD.pdf
Adobe Acrobat Dokument 154.1 KB
Download
Empfehlung GF AvD.pdf
Adobe Acrobat Dokument 408.5 KB

ARBEITEN

Interviews mit Innovations BERATUNGsExperten

Präsentation zu Geschäftsmodell mit Autoradio Daten.

Vorträge zu Big Data Skills

Download
SOWI GO BDS Vortrag 2015.pptx
Microsoft Power Point Präsentation 8.6 MB

Vortrag zur Parasozialität als Grundlage für Kundenkommunikation in der Informationsgesellschaft

Download
In Parasocial Media we trust.docx Texte.
Microsoft Word Dokument 89.0 KB
Download
Parasozialität In parasocial we trust. L
Microsoft Power Point Präsentation 6.5 MB

Hier zu die Replik auf meinen Beitrag "In Parasocial Media we Trust" , zu meinem Vortrag, den ich auf Einladung von Prof. Dr. Hans Gert Gräbe beim  8. Interdisziplinären Gespräch "Wege des digitalen Wandels"  am 30. Januar 2015 am Institut für Informatik der Universität Leipzig gehalten habe.   

 

 

Tragödie der Soziologie oder die Schwere der Interdisziplinarität

 

 

 

Von Ken Pierre Kleemann, Leipzig, 12.05.2015  

 

Aus den Kathedralen der hohen Bildung ist seit Jahren die Forderung nach dem Ausbau der gemeinsamen akademischen Tätigkeit zu vernehmen. Lehre und Forschung im 21. Jahrhundert sollen nicht nur in Anbetracht der ach so neuen Globalisierung stärker verzahnt werden, sondern sollen in ein engeres Verhältnis gebracht werden, weil allein schon das „Neuland“ der Digitalität eine stärkere Kombination der Fächer fordere. „Die Technik“ verlange eine intensivere Zusammenarbeit nicht nur auf der Ebene sich erschließender Möglichkeiten, sondern auf der Ebene einer geradezu erscheinenden Selbstverständlichkeit von Entwicklung. Tatsächlich verändern sich die Lebensweisen und somit die Universität als Ausbildungs-, aber auch als Reflexionsstätte. Und tatsächlich ist leider die verständliche Forderung nach Interdisziplinarität nicht dasselbe wie die real stattfindende Arbeit. Es ist zwar ein positives Zeichen, dass einschlägige Konferenzen immer häufiger stattfinden und somit, so sollte man meinen, die Möglichkeiten des Austauschs von Argumenten vermehrt werden, doch sind Präsentieren und Miteinander-reden noch immer zwei unterschiedliche Tätigkeiten. Interdisziplinarität ist und darf sich nicht einfach auf das Präsentieren von noch so guten Argumenten reduzieren, sondern muss vor allem auf die gemeinsame Arbeit an gemeinsamen Inhalten und damit auf die Arbeit an den Begriffen und ihrer jeweiligen Bedeutung gerichtet sein. Infradisziplinarität, wie Lorenzer schon in den 1970ern sah, umfasst das gemeinsame Lernen und somit das Verändern der eigenen Position. Argumente auszutauschen ist zu wenig, wenn es zu keiner Änderungen der eigenen Argumente kommt. Lehre und Forschung im 21. Jahrhundert benötigen die Auseinandersetzung mit den neuen Möglichkeiten, aber auch das reflektierte Verstehen der Veränderungen. Beides kann nur im kollegialen Arbeiten bewerkstelligt werden.

 

Herrn Fuhr ist zu danken, dass er sich die wertvolle Zeit der institutionellen Einbindung frei nimmt, um den Forderungen der Institution nachzukommen. Es ist bis heute ein Problem, jenseits der etablierten Konferenzen einen Argumentenaustausch zu wege zu bringen, insbesondere dann, wenn es um eine Verknüpfung von M.I.N.T.-Fächern und geisteswissenschaftlichen Professionen geht. Eigentlich sollte es in Anbetracht der impliziten Annahmen, die in einem Bild wie der „digitalen Globalisierung“ transportiert werden, selbstverständlich sein, eine derartige Kooperation zustande zu bringen. Doch gilt wohl auch hier das alte Shibboleth der Philosophie, dass Realität und Wirklichkeit nicht eins sind. Herrn Fuhr ist weiterhin zu danken, dass er nicht nur alternative soziologische Theorien benutzt und verbreitet, sondern gerade solche verwendet, die sich den spezifischen Problemen der heutigen gesellschaftlichen Entwicklung stellen wollen. „Es gibt bis heute keine wissenschaftliche, empirisch exakte konsistente Soziologie der Massenmedien – das ist der eigentliche Forschungsskandal“, meint Herr Fuhr und verweist auf Konzepte der Parasozialität, eine „andere Theorie der Internetnutzung“.

 

Ein derartiger Ansatz verweist auf zwei problematische Punkte und ist damit sowohl Kritik als auch Theorie. Gesellschaftstheorie begreift sich hier schon immer als Gesellschaftskritik, welche mehr als nur negativ-kritisches Kritisieren sein möchte, denn sie will Momente der Veränderung positiv greifbar machen. Erstens, und dies wird bei Herrn Fuhr sehr deutlich, ist die Annahme eines Ich-Kerns, eines homo oeconomicus, eines homo faber oder einer sonstwie geprägten „nach außen abgeschlossenen Instanz in uns“ unzureichend, wenn nicht gar ein hinderliches Paradigma. „Dieser Typ des Selbsterlebnisses und der Individualisierung [ist] aber selbst etwas Gewordenes, Teil eines sozialen Prozesses […].“ In diesem Prozess wird der „Zusammenhalt von Menschen aber eher als ein Ergebnis von Kommunikation“ hergestellt, also letztlich, so Fuhr, durch den Austausch von Informationen. „Unsere Lebensbereiche ... sind durchdrungen von Informationstechnik“. Es ist kaum verwunderlich, dass Herr Fuhr in Anbetracht einer nunmehr fast fünfzigjährigen Tradition der expliziten Kritik an den Versuchen, ein abgeschlossenes Subjekt zur Grundprämisse gesellschaftlicher Kritik und Theoriebildung zu machen, an einer heterogenen Diskussion teilnimmt. Nicht nur die so oft verpönte Postmoderne hat ihr Augenmerk auf das Menschenbild gelegt, sondern auch der philosophische Soziologe oder soziologische Philosoph Habermas. In geradezu meisterlicher Erzählweise erfahren wir bei diesem löblichen interdisziplinären Versuch, dass die Bewusstseinsphilosophie, die gerade den Ich-Kern voraussetze, micht nur das Problem der zeitgenössischen Wissenschaft ist, sondern geradezu das Grundproblem der Moderne selbst darstellt. Die Kommunikation als intersubjektive Tätigkeit müsse zur Grundlage der Handlungstheorie werden, also eine

praktische Bestimmung des Wesens des Menschen darstellen. Kant, Hegel und natürlich noch Marx waren zu verfangen in diesem alten solipsistischen Bild, und die analytische Philosophie, mit einem Schuss Max Weber, ist geradezu eine Antwort auf die sinnentleerte Moderne, auf die technische Entfremdung und systemische Kolonisierung der kommunikativen harmonischen Lebenswelt.

 

1. Der Versuch von Habermas, die „kontinentale und angelsächsische“ Philosophie zu vereinen, ist ein umfassender und inspirierender Ansatz. Im Allgemeinen ist es anzuerkennen, dass der Versuch unternommen wird, das vielleicht bisher zu enge Menschenbild den intersubjektiven Tätigkeiten dieses Wesens näher zu bringen. 2. Kommunikation ist der wohl entscheidende Schlüssel, darf aber nicht auf einen idealen Sender-Empfänger-Austausch reduziert werden. Die Searlsche Sprachakt-Theorie ist gegenüber dem Austinschen Grundansatz schon defizitär und wird mit der emanzipatorischen Einführung der Ja-Nein-Stellungnahme von Habermas nur verschärft. 3. Die Dualismen Mensch und Natur, Ich und Der Andere, System und Lebenswelt sind logische Folgerungen, welche mit Annahmen von Kohlberg und Piaget nur zum Wiederauferstehen der skeptischen Haltung gegenüber den Massenmedien und der Technik führen. Vielleicht ist die Ideologie der „bösen“ Positivisten und Szientisten ja doch etwas komplizierter und mit Dahm ist gerade darauf aufmerksam zu machen, dass es eine solche technisierende Menschenbildverwendung im gescholtenen Positivismus nicht gibt. 4. Technik wird trotz oder gerade mit der kritischen Position am doch so flachen „Szientismus“ zum Durchdringer, zu etwas Fremdem, Unnatürlichem. Information und Kommunikation müssen folgerichtig als Versand konstruierter Signale zum Penetrieren von außen durch ihre eigene Vergegenständlichung führen. Der Informationsbegriff holt von hinten den Ich-Kern zurück ins Boot, diesmal zwar als eliasianisch-prozessuale Verhältnisbestimmung der zivilisatorischen Entwicklung, aber dennoch als durchdrungen. 5. Das Ziel aller bisherigen Perspektiven ist aber die Tätigkeit, die Handlung, die Nutzung des Internets. Es geht also nicht nur um eine Prozessualisierung der vermeintlichen Bewusstseinsphilosophie, sondern um eine andere Auffassung. Es ist geradezu traurig zu sehen, dass die Soziologie die Ergebnisse der anderen Fächer nicht zu verwenden weiß, oder dies nur abseits des Mainstreams geschieht. Es muss nicht Foucault sein, denn gerade Habermas zeigte eine Linie. Die Analytische Philosophie hat nicht nur an sprachlichen Phänomenen gearbeitet, sondern an der Kritik der eigenen Position. Sellars, Brandom, McDowell, Pinkard oder Pippin sind nur ein paar der Namen, die man vermisst, wenn man die Enge heutiger soziologischer Theoriebildung betrachtet. In der Philosophie, der Lingusitik, der Kulturwissenschaft, der Literaturwissenschaft und gar noch der evolutionären Anthropologie ist ein Begriff wie Performanz, Pragmatik oder Praxis ein hoffnungsvoller Strahl auf echte Möglichkeiten einer alternativen Theoriebildung. 6. Hier werden nicht nur andere Möglichkeiten herausgestellt, sondern ein neues Licht auf die Grundlagen unserer eigenen Tradition geworfen. Man müsste fast fordern, erneut den Ruf erklingen zu lassen: „Zurück zu Kant“ und damit zu Hegel und Marx. Bewusstseinsphilosophie ist zwar ein schönes Label, hat aber mit den eigentlichen Argumenten der Autoren wenig zu tun. Ob Idealismus, Materialismus oder das so schädliche Produktionsparadigma, alle sind nette Ismen, die für ein emanzipatorisches Narrativ nützlich sind, aber den eigentlichen Weg auf eine Sicht der Moderne verstellen, die weder technikgläubig noch technikfeindlich verfährt.

 

Bis heute steht eine Rezeption und Interpretation des Weberschen „Charisma der Vernunft“ jenseits aller stählernen Gehäuse aus. Als eigentliches Problem bleibt, einen handlungsorientierten, gar „empirischen“, Ansatz der Tätigkeit des Menschen zu entwerfen, bei dem keine Begriffe wie „die Technik“ dem Organismus gegenübergestellt werden, sondern selbst als Handlungsvollzüge, als Praxen in den Fokus genommen werden können. Worte wie „Durchdringung“, „Information“, „Kommunikation“ zeigen eher ein prekären Theoriestand an als eine Lösung für die Probleme, die wir gewillt sind. gemeinsam zu erschließen, weil sie uns gemeinsam betreffen. Zweitens, und dieser Punkt ist eher eine Fortführung und Intensivierung des ersten Punkts von Herrn Fuhr als ein eigenständiger Punkt, müssen wir in dieser Sicht folgerichtig „den Anderen“ mitbetrachten. In den wuselnden Großstädten der Moderne seien „der Fremde und der Fremde“ durch ein spezielles Vertrauen verbunden. Schon der marxistisch angehauchte Nichtneukantianer-Neukantianer Simmel beschrieb die Vermittlung der anonymen Massengesellschaft des massenmedialen Zeitalters durch das „parasoziale Vertrauen“. „In der modernen Gesellschaft übernehmen die Massenmedien“ die alltägliche Hineinversetzung in die Rolle des Fremden, also letztlich die „Funktion der Integration und Organisation der Gesellschaft“. Parasoziales Vertrauen sei „eine menschliche Grundeigenschaft“. Zuschauer- und Teilnehmerperspektive greifen in einander, wenn es darum geht „Öffentlichkeit als aktive praktische parasoziale Teilhabe“ zu konstituieren und zu verstehen. Informationstechnologie braucht „das parasoziale Vertrauen als Steuerungssystem für sein Wachstum“ und Theorien des Verfalls können nur Verschwörungstheorien sein.

 

Es ist 1. nicht schwer zu erkennen, dass wir es hier mit derselben problematischen Ebene zu tun haben, die wir bei der Ich-Kern Diskussion gesehen haben.

 

Man möchte eine Handlungsperspektive haben, arbeitet aber mit einem Begriffe wie Vertrauen, der notwendigerweise eine individuelle Entscheidung impliziert. Ob diese nun durch die „böse“ Anonymität der Metropole oder die „unmenschliche“ Ferne der Massenmedien getragen ist, spielt dabei kaum eine Rolle. Rolle ist damit ein weiterer höchst problematischer Begriff.  

 

Eine Grundeigenschaft des Menschen zu bestimmen ist 2. immer schon die Festsetzung der condition humaine, also eines dezidierten Menschenbilds. Man mag ja an die „Hineinversetzung in die Rolle des Fremden“ glauben, doch sagt dies nichts über die Tätigkeit aus.

 

Sprachakte sind nicht zuerst die empathische Aufnahme einer vermeintlichen Verwendung von Vorurteilen zum Verständnis eines Gegenübers. Ein derartiges Bild kann auch wieder mit dem Ich-Kern arbeiten, denn dieser transportiert die Vorstellung eines Individuums gegenüber einem „Etwas“. Mag deshalb die Pointe der Großstadt sein, dass wir nicht jede Sekunde auf die Rolle des Anderen schauen, sondern aktiv handeln.

 

 Jedes Urteil, jeder Schluss, jeder Sprechakt trägt 3. schon ein gesellschaftlich praktisch gewonnenes Urteil in sich. Ich versetzte mich nicht erst meditativ in die Rolle des Gegenübers, sondern habe durch Teilhabe an menschlicher Tätigkeit die Tätigkeit als Voraussetzung. Gerade weil wir kommunikative Wesen sind, haben wir den gemeinsamen Vollzug der menschlichen Praxen im praktischen Vollzug gelernt. Ich lerne keine Rollen, ich vollziehe sie. Dies ist zu berücksichtigen, wenn ich einen Begriff wie Vertrauen fruchtbar machen möchte. Die Frage der grundsätzlichen Möglichkeit der Indienstnahme eines solchen Begriffs ist damit gestellt.

 

Der Begriff Vertrauen ist 4. nicht weniger janusköpfig als der Begriff der Rolle oder der Information. Wenn man den scheinbaren Automatismus des Großstädters beschreiben möchte, kann man einen derartigen Begriff fruchtbar machen. Wenn man aber das Problem des IchKerns als zentral betrachtet, ist zu fragen, ob ein Konzept, das immer mit einer gewissen individuellen Haltung arbeitet – egal, ob substanzialistisch oder zivilisatorisch-prozessual gefasst – nicht den Weg versperrt, auf den man gelangen möchte. Es kann natürlich nicht um die Aushebelung eines vernünftigen Redens über das Selbstbewusstsein und damit der Verantwortung des Einzelnen in der Gesellschaft gehen, denn gerade dieses Reden ist und muss von uns sinnkritisch und sinnanalytisch verstanden werden.

 

Das ganze Gebilde dieses soziologischen Ansatzes 5.zu einem Narrativ umzuwandeln, an dem die Massenmedien die Rolle der Grundeigenschaft des Menschen übernehmen sollen, wollen oder tun, ist damit nicht nur problematisch, sondern wird selbst zur „Verschwörungstheorie“, die zwar keinen Verfall postuliert, aber emanzipatorische Momente nicht fassen kann. Wenn wir anfangen, selbst aus explikatorischer Absicht, einer „Grundeigenschaft des Menschen“ unabhängig von deren Vollzügen die Bürde der Erklärung aufzuladen, haben wir den Boden wissenschaftlicher Arbeit verlassen und die real-existierenden Gestaltungsvarianten der Wissenschaft aufgegeben.

 

 „Parasoziales Vertrauen“ nun endgültig als Steuerungssystem des „Informationszeitalters“ zu verstehen, entzieht sich 6.  letztlich jeder gesellschaftlich möglichen Gestaltung. Wenn wir auch nur halbwegs diese Natur des Menschen akzeptieren und die geschichtliche Beschreibung der medialen Ersetzung nachvollziehen, ist es beim technisch-rechtlichen Stand der Zivilisation nicht verständlich, wie die Mobilisierung des parasozialen Vertrauens aussehen soll, außer natürlich, man spielt mit dem radikalen Bruch alles Bestehenden. Revolution muss ja nichts Schlechtes sein, nur zeigt gerade der arabische Frühling, dass es einen Unterschied gibt zwischen einer „digitalen Revolution“ und „Der Revolution“. Das zu sehen braucht es aber nicht die Erfahrungen der neueren Geschichte, die letzten zweihundert Jahre liefern genug Anschauungsmaterial.

 

Das Grundproblem bleibt somit dasselbe wie beim ersten Punkt: das Menschenbild. Handlungstheorie kann und ist natürlich nicht nur Theoriebildung, sondern immer auch Kritik der Verhältnisse, die wir analysieren und an denen wir gleichzeitig teilnehmen. Dass die Soziologie heute ein besonderes Verhältnis zur Gesellschaft hat, kommt ihr nicht nur durch den Beschreibungscharakter der Verhältnisse zu, in denen sie stattfindet; sind doch ihre Ergebnisse, nicht nur der quantitativen Forschung, Grundlage und Gestaltungsmoment ihres eigenen Gegenstandes. Dennoch hat es etwas geradezu Tragisches, dass eine so wichtige Disziplin wie die Soziologie die Entwicklungen der anderen Richtungen von Außen betrachtet. Man kann von Habermas halten, was man möchte, doch sein Bestreben, am problematischsten Punkt anzusetzen, der Bestimmung des Wesens des Menschen, ist vorbildhaft. Eine derartige Interdisziplinarität ist akademisch löblich und darüber hinaus ein Meilenstein der soziologischen Arbeit. Gleichzeitig wird eine Perspektive erkennbar, die nach aller gebotenen Kritik des vorliegenden Textes, eine ernst zu nehmende Möglichkeit auch für die heutige Soziologie bereithält. Die Erforschung der sprachlichen Tätigkeit des Menschen ist heute auf einem neuen Level angekommen. Der linguistic turn ist ein weit verbreitetes Narrativ, um die Änderung des Fokus in den 1970er Jahren zu beschreiben, und auch heute gibt es erste Autoren, die von etwas wie dem practical turn reden. Tatsächlich ändert sich durch interdisziplinäre Diskussionen der Fokus, und es ist zu hoffen, dass es nicht eines Kuhnschen „Aussterbens der Träger des alten Paradigmas“ bedarf, um einen Schritt weiterzugehen. Die Entwicklung der letzten zwanzig Jahre in der Philosophie in Auseinandersetzung mit der Lingusitik, der Neurowissenschaft oder der Wissenschaftstheorie haben zu einem anderen Verständnis von Pragmatik geführt und sind es wert, auch von der Soziologie aufgenommen zu werden.

 

Die Soziologie hat, und darauf weist Herr Fuhr zu recht hin, alle Mittel in der Hand, einen neuen Schritt zu wagen, wenn sie sich nicht den alten Dogmen verschreibt. Die Perspektive auf das eigentliche Problem hat die Disziplin als auch Herr Fuhr in der Hand. Die Probleme des Ich-Kern-Bildes sind erkannt und Wege liegen offen.

 

Doch diese Wege können nicht das Heraufbeschwören alter Simmeleien sein, sondern die kollegiale Fruchtbarmachung der Möglichkeiten in differierenden Ansätzen der anderen Kollegen. Die größte Schwierigkeit bereitet Interdisziplinarität damit gerade beim Verlassen des eigenen Fächerkanons. Ergebnisse der Wissenschaft und insbesondere der anderen Geisteswissenschaften gibt es, auch wenn dies wie eine alte positivistische Leier klingen mag.

 

Herrn Fuhr ist damit nicht nur zu danken für den argumentativen Austausch. Es ist ihm zu danken, dass er am Mainstream der heutigen Soziologie vorbei Alternativen aufzeigt, Ergebnisse unorthodoxer Ansätze auswertet und am zentralen Problem arbeitet. Es ist zu danken, dass sich ein Kollege die Zeit genommen hat, Kollegen anderer Fächer Argumente zu präsentieren und diese mit ihnen zu diskutieren.  Sicher bin ich mir, dass er auch das mit diesem Text vorgelegte Angebot zur infradisziplinären Arbeit freudig aufnimmt und einen nächsten Schritt unternimmt, an den problematischen Begriffen umfassend zu arbeiten. Interdisziplinarität ist der Schritt, den wir heute nicht nur als Forscher brauchen, um infradisziplinär für uns als Menschen etwas zu leisten. Man mag eine „Tragik der heutigen Soziologie“ in einem problematischen Konzept wie dem der Parasozialität sehen, aber der interdisziplinäre Diskurs darum und das infradisziplinäre Ringen um Begrifflichkeiten liefert den Beweis, dass es auch anders geht. Somit kann man nur sagen: Zurück zu Kant – sapere audem.

http://mint-leipzig.de/2015-01-30.html

 

 

SOCIAL MEDIA RESONANZ AUS SILICON VALLEY