Eine einfache Frage an die Digitalwirtschaft:

Wo bleibt das Datenseparee?

Im Internet herrschen Wild West Manieren.Service Anbieter und Webshops zeichnen sich dort durch eine völlige Ignoranz aller traditioneller Kaufmannstugenden aus..                                                                                              Die Angebote dort nutzen, heißt für den Kunden im Klartext:                                 "Willst du meine Dienste nutzen, dann akzeptiere gefälligst zunächst meine AGB`s.! Wenn dir was daran nicht gefällt oder du sie nicht verstehst, Pech gehabt. Hör gut zu: Wir verkaufen individuelle Dienstleistungen, aber individuelle Änderungen im Ablauf des Geschäftes, sie sind leider hier für dich nicht möglich. Capice?  Also, los, drück den "Gelesen ist akzeptiert" Button, liebe Kundin, lieber Kunde oder lass es und verlasse die Website. Aber da sie lieber Kunde, liebe Kundin hier auf unserer Website gelandet sind, teilen wir Ihnen jetzt schon mal freundlich mit, dass wir alle ihre Wege, Clicks, ihre Blickdauer, Ihre Gesamtverweilzeit bei uns eh kennen, da wir mit einer Tracking Technologie arbeiten, die wir zwar selbst nicht verstehen, die wohl aus Amerika kommt, von einem Unternehmen, dass uns leider nicht darüber informiert, wie es das macht und was es mit ihren äh unseren Daten eigentlich später macht. "        

 In der realen Welt, in einem Geschäft oder bei einem Besuch einer Veranstaltung würden wir als Kunden, daraufhin ohne etwas zu sagen, ganz sicher diesen Ort des Grauens, diese Service Wüste, diese Unverschämtheit, Inkompetenz und Ratlosigkeit den Sauladen schnellstens verlassen. Wortlos und sicher nie wieder betreten....

Beim Besuch von Unternehmenswebseiten und den Online Ablegern von kundenfreundlichen und für ihre Transparenz und Sicherheit ausgezeichneten Serviceunternehmen oder den digitalen Filialen großer Marken, da tun wir das aber nicht.

Im Gegenteil: Im Internet bezahlen wir Unternehmen mit unseren Daten noch dafür, dass sie uns gängeln, für blöd verkaufen, überwachen, uns theoretisch bis auf die Toilette folgen und dann aus unseren Verdauungsprodukten vorhersagen könnten, wann wir wieder was essen werden.Wenn alles mit allem vernetzt ist. Zu unser aller Wohl. ABER:           Wir möchten eigentlich z.B. auf Reisen in der Bahn nicht, dass uns ein Mitreisender beim Bücherlesen zuschaut, und beim Skat spielen wird der Kiebitz, der der nur zuschaut und gar nicht mitspielt, aber sich ins spiel einmischt, gar  nicht geschätzt. Am Arbeitsplatz möchten wir nicht, dass uns jemand - schon gar nicht der Chef oder der Kunde!!! über die Schulter schaut. Das würden wir zu Recht als aufdringlich empfinden, und deshalb ist es auch verboten. 

Lauschen per Servicevertrag ....

                       

 Mit dem Kauf eines PC gehen wir einen Servicevertrag mit den Herstellern ein. Wenn alles gut läuft, dann wird der PC meist über Nacht gewartet, die neueste Software aufgespielt und gut ists. Während wir uns ausruhen wird das z.B. sdas Virenschutzprogramm aktualisiert oder Fehler behoben. 

 Realität ist, dass morgens genau zu dem Zeitpunkt, wo wir extra früher anfangen, um noch etwas dringendes zu erledigen, ein Update läuft. Ohne die Möglichkeit diese Updates zu stoppen, ist der Computer dann für 15 Minuten mit sich und seinen Prozessen beschäftigt ...

So unberechenbar wie die Updates gestartet werden so komfortabel und mehr oder weniger kundenfreundlich ist der automatisierte IT- Wartungs Service. So offen wie das Netz und seine Architektur für Wartung und Service ist, so offen ist damit auch die Tür für ungebetene Besucher. Hacker umgehen unsere Firewall durch ab  Werk vorhandenes "Hintertüren" und durch die Hintertreppe werden wir belauscht, ausgespäht und unsere Datenspur im Netz verfolgt.                             

 

Stets up to date dank update. So weit, so gut. Doch das Rundumsorglospaket ist trügerisch...

Das Zeitalter des  Internet verlangt von Kunden, die im Netz unterwegs sind bei einem Absturz oder einem  Datenverlust vor allem eines: Einen Festnetz Telefonanschluss, denn meist ist ja das Smartphone auch dann unbrauchbar, wenn der Empfang beim PC gestört ist, oder wir aus anderen Gründen nicht ins Netz kommen. Wenn online nichts mehr geht, verlangt man aber gerade zur Hilfe  paradoxerweise von uns meist das, was eben nicht mehr geht, nämlich am Computer sich Hilfe zu holen. Das ist nur eine der merkwürdigen Serviceauffassungen, die im Netz geboten werden.

Von Endlosschleifen und Callcentern oder FAQ, schweigen wir hier jetzt lieber. Ein Datenverlust macht wütend, der davon betroffene Kunde braucht eigentlich als erste sofortige Notfallhilfe, beruhigende Worte und  aufmunternden Zuspruch, danach eine klare Anweisung und Führung.  

Wir wissen das, doch was es wirklich an Möglichkeiten  gibt, um unsere Datenspur zu identifizieren, sie zurück zu verfolgen- das wissen selbst die Experten nicht wirklich, denn jeden Tag lernen wir dazu.                                                                                               

 

Datendiebe und Überwachungsexperten schleichen sich sich auf leisen Sohlen und unbemerkt auf unseren Rechnern ein, sie überwachen die Knotenpunkte, an denen unsere Informationen im Netz gebündelt werden, sie entschlüsseln unsichtbar unsere Verhaltensweisen im Internet, sie hören unsere Handys ab und erstellen Bewegungs Profile, sie bewerten uns und unsere Gegenwart, unsere Kreditwürdigkeit, kennen unsere Vergangenheit und schließen daraus auf unser zukünftiges Verhalten.

 

Mit den neuen technischen Möglichkeiten riesige Mengen an Daten zu speichern, zu durchforsten, zu verknüpfen, stehen wir vor einer der größten , der zentralen Veränderung unserer Gesellschaft. "Unsere Daten" sind heute und in Zukunft,  folgen wir den Denkmodellen und Theorien der Experten, "unser Schicksal".

 

Daher brauchen wir, sowohl als Gesellschaft, als auch Kunden im Internet, als Bürger ein  Verhaltens Update. Sowohl technisch, als auch juristisch stellt die teilweise schon heute problemlose Verknüpfung aller Daten von allen Geräten uns vor ungelöste Datenschutz Probleme. In Zukunft wird mein Haus, mein Auto, meine Wohnung und mein Handy  eine neue riesige Datenwolke erzeugen, die mehr enthält als wir selber sind, über unsere Vorstellung von unserer Persönlichkeit weit hinausgeht.

 

 

Man stelle sich einfach einmal vor, dass Computer und Internet wie Autos wären

 

Sicher. Die Sicherheit von E-Mails und Passwörtern wird in der Öffentlichkeit debattiert, genau wie der Umgang miteinander auf Social Media Plattformen wie Facebook und Twitter. Doch unklar bleibt dabei, ob die Kompetenz der Nutzerinnen und Nutzer für den sensiblen aufmerksamen und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Daten ausreichend vorhanden ist.

 

Was sollten Unternehmen und Dienstleister oder Verbände und Verbraucherschutz Organisationen, die Medien, die Schulen aber tun, um diese Kompetenzen zu stärken?

Wie können wir den sicheren Umgang mit unseren Daten, als normale Verhaltensweise etablieren, wie das Abschließen der Wohnung oder des Autos?

Wenn man den gegenwärtigen Zustand des Wissens und der Bereitschaft zur Diskretion und der Datenschutzsouveränität mit der Angst vergleicht, die entstanden ist, weil man einmal mit dem Auto  alleine auf der Autobahn oder der Landstraße oder mitten im Berufsverkehr liegen geblieben ist, oder sich die Kosten vergegenwärtigen kann, die durch Datendiebstahl und Verlust der Intimen ja intimsten Geheimnisse entstehen enden die  Parallelen zum Service und der Souveränität der Kunden der  automobilen Gesellschaft recht schnell.

 

Was wir wirklich suchen und wert schätzen ist Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung, Kommunikation mit selbst ausgesuchten Partnern, Diskrete Räume , die Wiederkehr der uns vertrauten Diskretion für Gespräche und Verhandlungen- kurzum unsere Datensouveränität. Geboten bekommen wir von Freunden und Partnern, Providern aus der Internetwirtschaft aber vor allem LOGIN, Passwörter, AGB`S die niemand versteht, Abhängigkeit von Änderungen von Benutzeroberflächen und Datenlecks. 

Bei den Pannen, Hacker- Angriffen, Daten Lecks, und Verstößen die in der letzten Zeit passiert sind, würden Computer längst abgeschaltet, zurückgegeben oder schlicht unverkäuflich sein. Wenn Sie Autos wären.  

 

Der Wunsch nach Datensouveränität und einer Rückkehr der Diskretion , einfacher  Datenschutz im Alltag, erfordert  neue  soziale Bewegungen.

Diese Bewegung wird die gleiche Entwicklung brauchen und in etwa den gleichen Weg nehmen, wie den, den die  Umweltschutzbewegung  in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts genommen hat.

Diese  Bewegung ist auch langsam stärker geworden, als den Bürgern die ökonomischen Nachteile deutlich geworden sind und auch wirtschaftliche Alternativen mit den neuen Energien als Produkte und Services am Markt zu erleben waren. Wir stehen jetzt am Anfang einer gesamtgesellschaftlich wirksamen Veränderung der Haltung in der Haltung der Menschen zu den Risiken und Chancen der Internetkommunikation.

Stellen sie sich einfach vor, die Strukturen der Online Hilfe, der Notfallservice wäre beim Auto im Notfall so, wie das was uns Hardware oder Software Anbieter anbieten. Es gibt sehr gute Gründe, dafür, dass in einem Notfall Menschen zu Menschen sprechen, um diese zu beruhigen oder durch gute Vorbereitung auf die Krise hier wirklich helfen zu können. Das Denkmodell einer Assistance für die Datensouveränität führt "automatisch" zu einer neuen Lobby für die Wiederkehr der Diskretion.

Beispiele guterTaten:                                                               My Car,  my Data ...                                                                 Studie über die Datensouveränität europäischer Autofahrer und  Aufklärungskampagne der FIA

Wir brauchen einen unabhängigen Ansprechpartner, der die alltäglichen Probleme der Nutzer erfassen, bündeln und im Dialog mit der Wirtschaft und der Politik lösen kann. Dafür brauchen wir eine neue Interessenvertretung der Bürger und Verbraucher, einen Dialogpartner für die Internetwirtschaft, einen Berater aus der Praxis für die Politik. DER DAE. Die Assistance für das Internet Zeitalter in Europa. 

Um das menschliche Gesicht im künstlichen Bild von Big Data zu erkennen, eine Entmystifizierung von Big Data leisten zu können, dazu braucht es Soziologen als Big Data Detektive

Die Wünsche der Menschen nach unabhängiger Beratung durch Experten, der Wunsch nach Sicherheit und Komfort, sowie der Trend zur Rückkehr von Höflichkeit und Diskretion im Netz, der Datensouveränität über meine Daten und meiner Lieben, verbunden mit einem besseren Service für das Datenhandling erfordert neue Organisationen. So etwas wie eine digitale Assistance, einen virtuellen Schutzengel, der mich und meine Daten, meine Reputation im Netz schützt. Das ist die Grundidee, die ich zusammen mit dem Blogger Ralf Keuper und mit dem Netzwerk des Internetpioniers

entwickelt habe, die technisch umgesetzt werden kann.  Wie in Europa, wird dies nur mit einem Netzwerk von gutwilligen Startups und Forschungseinrichtungen und natürlich nur mit Investoren gehen, die sich den europäischen Datenschutzrichtlinien verpflichtet fühlen und gemeinsam statt einsam an Lösungen arbeiten wollen, oder deren Startups nicht so aufgebaut sind, dass sie von amerikanischem Risikokapital gleich wieder weggekauft werden können. Wenn kein Interesse an europäischen Regelungen oder man gar einer Wiederkehr der Diskretion feindlich gegenübersteht., dann gilt : Wir müssen leider draußen bleiben!